Andy Schneider
steht hinter der Ferienbetreuung der Gemeinde Rothenburg ab 2024/25
Zwei Monate lang wurden in der Lernwerkstatt «MINTizin» der PH Luzern halbtägige Workshops mit rund 50 Klassen durchgeführt. Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I konnten die faszinierende Welt der Medizinaltechnik kennenlernen. Die Nachfrage ist so gross, dass die Lernwerkstatt im Januar 2024 weitergeführt wird.
«Medizinaltechnik ist ein Thema, das Neugier weckt, nicht zuletzt weil die meisten der Teilnehmenden schon mal damit in Kontakt gekommen sind, – sei es mit einem Röntgenbild, einer Ultraschall-Untersuchung oder einer Operation. So können viele zumindest erahnen, wie facettenreich dieses Themenfeld ist», sagt Peter Rigert, Projektkoordinator der im Uni/PH-Gebäude angesiedelten Lernwerkstatt. Er betont: «Wichtig ist, dass man Jugendliche über ihre Lebenswelt ab- und auch mal etwas aus dem Schulalltag herausholt.» Peter Rigert stellt fest: «Hierfür eignet sich die Medizin besonders gut.» Denn wenn man über Autos oder Raketen die technischen Themen zu bespielen versuche, bestehe die Gefahr, dass die Jugendlichen relativ rasch abhängen, dass Mädchen vielleicht schneller als Jungen sagen: Das hat nichts mit meiner Lebenswelt zu tun. «Aber», schliesst Rigert, «mit der Medizintechnik scheint es uns wirklich gelungen zu sein, dass wir ein Thema präsentieren, zu dem alle einen Bezug herstellen können. Und das unabhängig von Gender-Aspekten.»
Ein Schritt, der zum Erfolg der Lernwerkstatt «MINTizin» beigetragen hat: Die komplexe Thematik wurde am konkreten Fall eines Unterarmbruchs vielseitig veranschaulicht. Bei der Klasse aus Rothenburg, die am 24. November die Lernwerkstatt besuchte, hatten zum Beispiel schon sechs Teilnehmende einen Unterarmbruch erlitten und medizinisch versorgen lassen. Die Beziehung zum Thema war somit noch ein wenig ausgeprägter als in anderen Klassen. Eine Schülerin, die gerade am Tablet die passende Unterarm-Schiene für den von ihr behandelten Bruch an einem ansonsten von Medizinstudierenden benutzten Übungsmodell konzipiert hat und an den 3D-Drucker zur konkreten Herstellung sendet, bestätigt die Tauglichkeit des «MINTizin»-Konzepts: «So können wir Berufsfelder näher kennenlernen, über die wir bisher wenig oder gar nichts gewusst haben. Als besonders attraktiv schildert sie die Option, via Virtual-Reality-Brille in einem Operationssaal dabei zu sein und mitzuhelfen, wenn einem computer-animierten Patienten ein künstliches Kniegelenk eingesetzt wird.
So war Lehrer Reto Willimann nicht erstaunt, dass er viele sehr gute Rückmeldungen vonseiten der Eltern erhielt. «Viele Kinder gingen nach Hause und brachten zum Ausdruck, dass sie sich beruflich in Richtung Medizintechnik bewegen wollten.» Er sagt aber auch: «Wenn am Ende nur ein junger Mensch pro Klasse mit dem Besuch bei der Lernwerkstatt ‹MINTizin› seine berufliche Erfüllung gefunden hat, dürfen wir diesen als Erfolg bezeichnen.» Die rund 1'000 Schülerinnen und Schülern, die von Mitte Oktober bis Mitte Dezember die restlos ausgebuchten Kurse besucht haben, belegen das grosse Interesse an «MINTizin». Aus diesem Grund öffnete die PH Luzern für «MINTizin» 25 weitere Zeitfenster zu Beginn des neuen Jahres (siehe www.phlu.ch).
Die Lernwerkstatt wird mit halbjährlich wechselnden, interdisziplinären und stufenübergreifenden Lernumgebungen bespielt. In der Lernwerkstatt wird: Selbstständiges, kooperatives, konstruktives und forschendes Lernen praktiziert; über Lehren und Lernen gemeinsam nachgedacht sowie Lernen angeregt, beobachtet, begleitet, beurteilt und dokumentiert. Alle Lernsituationen sind so konzipiert, dass sie handlungsorientiertes und aktiv-konstruktives Lernen ermöglichen. Beteiligt an diesem von Dorothee Brovelli, Prorektorin Forschung und Entwicklung an der PH Luzern, geleiteten Projekt sind namentlich die Universität Luzern (Fakultät für Gesundheitswissenschaften und Medizin) sowie die Hochschule Luzern (Departement Informatik mit dem Immersive Realities Research Lab; Departement Technik & Architektur mit dem Institut für Medizintechnik). Finanziell wird das Projekt durch das Förderprogramm MINT Schweiz der Akademien der Wissenschaften Schweiz unterstützt.
Stefan Kämpfen
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