Andy Schneider
steht hinter der Ferienbetreuung der Gemeinde Rothenburg ab 2024/25
Das Team rund um die Ausstellung, v.l.: Ralf Keller, Andreas Hertach, Elvira Bättig, Kathrin Graber, Julie Delnon und Hilar Stadler. Bild: Livio Burtscher
Hätte sich Katharina Amrein vorstellen können, dass zu ihrer ersten musealen Ausstellung («Katharina Amrein, Keramik, Elvira Bättig, Wandarbeiten») ein Museumsshop eingerichtet würde, dessen Auslage sich allein auf ihr Werk bezieht? Vermutlich nicht. Doch genau dieses Setting realisiert die Künstlerin Elvira Bättig noch bis am 14. Januar 2024 im Museum im Bellpark.
Sie haben sich nicht gekannt, es trennen sie ein paar Generationensprünge und doch ist die inszenierte Begegnung der beiden Künstlerinnen äusserst reizvoll. Die zeichnerische Praxis der jungen Künstlerin Elvira Bättig (*1997) gerät in einen interdisziplinären Dialog mit den Objekten der Keramikerin Katharina Amrein (1953-2023). Das Museum im Bellpark beschreitet mit diesem Projekt Neuland und erweitert in der Gegenüberstellung von Design und Zeichnung die kuratorische Praxis. Dieses Nebeneinander scheint fruchtbar, weil Bättigs zeichnerisches und installatives Werk sich durch eine Nähe zu dekorativen Strategien und handwerklichen Praktiken auszeichnet.
Katharina Amrein hat Keramikobjekte geschaffen, die weitgehend im Privaten Verwendung finden. Mit der Ausstellung im Museum im Bellpark gelangt nun eine Auswahl ihrer Arbeiten erstmals in den musealen Zusammenhang. Diese kleine, aber feine Auswahl von Gefässen aus unterschiedlichen Schaffensphasen versucht die Vielfalt von Amreins Werk abzubilden. Vom klassischen Repertoire der Keramik– Vase und Schale – ausgehend, deutete sie das Gefäss immer auch als skulpturale Herausforderung, sodass ihre Objekte eine besondere Präsenz im Raum beanspruchen.
Das Schaffen von Elvira Bättig zeichnet sich durch ein besonderes Interesse für Orte aus. Die Künstlerin betrachtet den vorgefundenen Raum als «Material» ihrer Interventionen. So entwirft Bättig mit grossformatigen Zeichnungen um die Keramikobjekte herum die Auslage eines Museumsshops, dessen Angebot mit Magneten, T-Shirts, Büchern und vielem mehr Bezüge zum Schaffen der Keramikkünstlerin herstellt. Die leicht surreale Erzählung eines Museumsshops verortet das Schaffen von Katharina Amrein spielerisch neu – in einen Kontext, der im zeitgenössischen Ausstellungswesen an Bedeutung zulegt. Elvira Bättig setzt der Luzerner Keramikerin eine höchst aktuelle Hommage und fordert mit ihrer zeichnerischen Intervention gleichzeitig das gewohnte museale Setting heraus. Indem die junge Künstlerin das Shopdisplay zu einem konkurrenzierenden Ausstellungsformat erklärt, wird auch die institutionelle Abgrenzung von Kunst und Design humoristisch kommentiert. pd/sk
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