Andy Schneider
steht hinter der Ferienbetreuung der Gemeinde Rothenburg ab 2024/25
Das Vokalensemble Luzern hat sich der eigenständigen Tonsprache des US-amerikanischen Komponisten, Chorleiters und Pianisten C. H. Johnson angenommen. Bild: z.V.g.
«Considering Matthew Shepard» ist ein Oratorium für Toleranz und Menschlichkeit sowie gegen Hass und Gewalt zu einer hochaktuellen Thematik, das am 11. und 12. November in der Johanneskirche Luzern aufgeführt wird.
Im Oktober 1998 wird Matthew Shepard, ein junger, schwuler Student an der Universität von Wyoming in Laramie, entführt, brutal geschlagen, an einen Zaun gefesselt und auf einem einsamen Feld unter einem Sternenhimmel dem Tod überlassen. Fast 20 Jahre später reagiert der Komponist Craig Hella Johnson mit einem abendfüllenden Oratorium, das 2016 im Bundesstaat Texas uraufgeführt wird. Wort und Musik bilden ein Patchwork, das in dieser Art wohl nur in den USA entstehen kann: Texte von Hildegard von Bingen, Lesléa Newman, Michael Dennis Browne oder dem indischen Dichters Rabindranath Tagore finden sich neben Passagen aus Matthew’s Tagebuch, aus Interviews seiner Eltern und aus Zeitungsberichten. Ebenso eklektisch verfährt Johnson in musikalischer Hinsicht, indem er verschiedenster Stile in fast schon abenteuerlicher Art vereint. Johnson erzählt die Geschichte von Matthew Shepard nach. Die Grundstruktur dieses Oratoriums ähnelt der von Bachs Passionsmusiken: Die hier gesprochen erzählte Story wird durch Chöre und Songs kommentiert und reflektiert. Stilistisch bedient sich Johnson dabei einer bunten Palette aus Jazz, Gospel, Country, Blues, gregorianischem Choral und Pop, die er mit Genres vom Barock bis zur klassischen Oper kreuzt. Hin und wieder zitiert er dabei auch bekannte Musikstücke. Direkt am Anfang erklingt das erste Präludium aus J.S. Bachs «Wohltemperiertem Klavier». Die aufgebrachten «Kreuzige, kreuzige!»-Rufe im neunten Satz nehmen Bezug auf die «Johannespassion». Im Epilog wird dann wieder das Präludium in das musikalische Geschehen eingebunden. Damit schliesst sich der musikalische Bogen des Werks. Nach der Uraufführung von «Considering Matthew Shepard» schreibt die Washington Post: «Es zeigt uns die Fähigkeit der Musik, Tragödien zu erfassen, zu verwandeln und zu überwinden. Mit ihrer kathartischen Kraft führt sie uns von Schrecken und Trauer zu einem höheren Verständnis des menschlichen Daseins und ermöglicht es uns, standzuhalten». Das Werk hat sich mittlerweile in den USA etabliert. In Europa fand eine vielbeachtete Fernsehaufführung mit dem WDR-Rundfunkchor im Sommer 2022 statt. pd/sk
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