Andy Schneider
steht hinter der Ferienbetreuung der Gemeinde Rothenburg ab 2024/25
Was macht Gamen so reizvoll? Warum werden manche davon abhängig? Und was hat das mit Dopamin zu tun? Diese und weitere Fragen beantwortet die interaktive Sonderausstellung «Dopamin spielt mit!» im Gameorama in Luzern, die «Akzent» anlässlich von 30 Jahren Suchtprävention im Kanton Luzern entwickelt hat.
Die Zahlen und Fakten zum Glücksspiel respektive der Glücksspielsucht aus dem Jahre 2017 sind eindrücklich und sprechen eine klare Sprache: In der Schweiz haben in den letzten zwölf Monaten 55 Prozent (3'498'000 Personen) ein Glücksspiel gespielt. Drei Prozent oder 192'000 Personen davon spielen exzessiv. Es kann davon ausgegangen werden, dass zusätzlich etwa fünf bis zehn Personen von einer Geldspielproblematik mitbetroffen sind, – hochgerechnet sind das insgesamt zirka ein bis zwei Millionen Menschen schweizweit. Mitunter dieser Problematik widmet sich das neu eröffnete Gameorama, das sich aus Platzgründen ein paar Häuserblocks weiter am Hirschengraben 49 einquartiert hat, mit der Sonderausstellung «Dopamin spielt mit!». Auf zwei Stockwerke verteilt bietet die Ausstellung eine wertvolle Gesprächsgrundlage für Familien und Schulklassen, um sich bei entspannter Atmosphäre über das Gamen, die Lust und den Frust auszutauschen.
Verschiedene Fakten, Zahlen, Gameausschnitte und Audioaufnahmen zeigen Besucherinnen und Besuchern die Vielfalt der Gamingwelt. Beim Posten «sprichst du Game-isch?» gewinnt am Ende, wer die meisten Begriffe aus der Welt der Spiele richtig erklärt. Um Dopamin (Botenstoff zwischen Nervenzellen, der Vorfreude auf etwas auslöst, motiviert sowie zur Tat schreiten lässt und Einfluss auf unsere Entscheidungen nimmt) geht es in der Gameindustrie, die jährlich ein Milliardengeschäft macht. In einer digitalen «Therapiesitzung» lernen Besucherinnen und Besucher die psychologischen Tricks kennen, die eingesetzt werden, um Gamerinnen und Gamer an ein Spiel zu binden. Dass man nicht von heute auf morgen süchtig wird, sondern ein Prozess von Gebrauch, Missbrauch über Gewöhnung zur Sucht in Gang gebracht wird, lernt man beim Posten «Wie nah ist die Sucht?» und eine erfahrene Fachperson beantwortet Fragen über die Gamesucht, wie Angehörige reagieren können, die Schwierigkeiten über das Behalten der Kontrolle und über die vorhandene Unterstützung. Im Zentrum der Ausstellung steht ein aufwändig bearbeitetes Hirnmodell. Am blinkenden Objekt erfahren Besucherinnen und Besucher, wie sehr das menschliche Gehirn das fortlaufende Gamen anfeuert und welche Disziplin ein gesundes Mass abverlangt.
Doch was ist eigentlich das Reizvolle am Spielen? Dazu sagt Simone Ulrich, die bei «Akzent Prävention und Suchttherapie» für das Marketing und die Kommunikation verantwortlich ist: «Es ist das Eintauchen in andere Welt, das Ausprobieren neuer Rollen, das strategische Denken, das Trainieren der Geschicklichkeit und nicht zuletzt die Erfolgserlebnisse. Zusammengefasst: Games machen Spass – und werden bewusst so designet, dass wir möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen möchten.» Warum manche Menschen davon abhängig werden, erklärt Ulrich so: «Games helfen auch, sich abzulenken, Sorgen zu vergessen oder zu verdrängen. Das kann dazu führen, dass man anderes vernachlässigt und/oder selbst dann noch weiterspielt, wenn es negative Folgen für das Leben hat.»
Dabei sei die Sonderausstellung auch für Nichtspielende spannend, um Gamerinnen und Gamer besser zu verstehen. «Sie ist für Schulen, Familien und alle ab zehn Jahren geeignet», unterstreicht Ulrich und fasst den Kern von «Dopamin spielt mit!» zusammen: «Besucherinnen und Besucher kennen beliebte Games und deren Faszination, tauschen sich über das Gamen und ihr gegenseitiges Wissen aus, kennen den physiologischen Ablauf einer Sucht sowie die Manipulationsmechanismen der Gameindustrie, reflektieren ihr Konsummuster sowie Suchtrisiko und kennen mögliche Hilfestellungen bei Spielsucht.» Je nach Region können sich Betroffene oder Angehörige an Klick (Luzern), Zenso (Sursee und Hochdorf) oder SoBZ (Willisau und Entlebuch) wenden. Dort werden sie individuell und diskret informiert und beraten.
Stefan Kämpfen
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